Was macht ein gutes Twin aus und warum stellen die Designs eine echte Alternative zum Thruster da?!

Die Antwort darauf bekommt Barney von Quirin Rohleder! Der war schon auf Twins unterwegs, als Surf Europe nur Tri Fins kannte und Stab noch eine fixe Idee war. Der Mann surfte Twinnies schon lange bevor sie zum Mega-Trend wurden. Wir haben seine symbiotische Beziehung zum Kinky Twin zum Anlass genommen, mit Quirin über die Boards mit den zwei großen Paddeln zu sprechen.

Barney: Wann hast du gemerkt, dass das Kinky Twin mehr ist als einfach nur ein klassisches Twin Fin?

Quirin: Meine Geschichte mit Performance Twins reicht schon ziemlich weit zurück. Ich habe lange in Hossegor gelebt und irgendwann gesagt: „Thruster, no more.“ Damals hat mir Rob Vaughn ein Performance Twin geshaped. Das ist inzwischen bestimmt 20 Jahre her. Seitdem habe ich das Thema eigentlich nie wieder losgelassen.

Mich hat bei klassischen Shortboards oft gestört, wie langsam sich manche Boards über flache Sections anfühlen. Deshalb war ich sofort begeistert, als ich gemerkt habe, wie viel Speed man mit einem Twin generieren kann.

Beim Kinky Twin ist das für mich die moderne Weiterentwicklung genau dieses Gefühls. Das Board hat ein riesiges Einsatzspektrum. Für mich ist das fast ein echtes One-Board-Quiver. Zumindest für Frankreich, Spanien, Portugal oder auch Südafrika brauche ich inzwischen kaum noch etwas anderes, wenn die Wellen gut sind.

Barney: In welchen Wellen fühlt sich das Board für dich am meisten zuhause an?

Quirin: Ich surfe Twins vor allem wahnsinnig gerne auf meiner Forehand. Ich bin goofy und liebe Lefts. Backhand kann ein Twin manchmal etwas anspruchsvoller werden, wenn die Welle nicht sauber läuft. Am besten funktioniert das Kinky Twin für mich in moderaten Wellen bis ungefähr sechs Fuß. Nicht zu klein, aber auch nicht zu heavy. Man büßt ein bisschen was ein wenns richtig heavy wird, kommt dafür aber früher in die Welle rein, wenn grade mal nicht dead-low Tide ist. Besonders stark wird das Board in “reformigen” Wellen. Ich liebe es in Rip Bowls in Frankreich gegen die ablaufende Wasser reinzupaddeln. Da hilft etwas extra Twinny Volumen sehr! Oder halt bei vermeintlich “suboptimalen” Mid-Tide Bedingungen über offene Faces zu fliegen, wie in Mundaka oder an der Algarve in Cordoama. Auch in solchen Bedingungen fühlt sich das Board zuhause an und oftmals sind die Wellen auch nicht ganz so voll.

Barney: Was macht das Fahrgefühl anders als bei einem klassischen Performance Shortboard?

Quirin: Was ich an Twins liebe, ist dieser schnelle Release über das Rail. Sobald man das Board leicht runterdrückt, entwickelt es sofort Flow und Geschwindigkeit. Gerade bei langen Roundhouse-Cutbacks merkt man den Unterschied extrem. Du kannst viel weiter rausfahren, größere Linien ziehen und trotzdem mit Speed wieder zurück in die Pocket kommen. Ein Thruster fühlt sich oft viel stop-and-go-artiger an. Das Kinky Twin dagegen verbindet die ganze Welle miteinander. Dazu kommt das Volumen. Ich surfe mein Kinky Twin in 5’11 mit ungefähr 32 bis 34 Litern. Dadurch muss ich nicht permanent direkt in der Power Source stehen, sondern kann weiter draußen surfen und trotzdem Geschwindigkeit halten.

Barney: Viele verbinden Twin Fins immer noch mit kleinen, soften Wellen.

Quirin: Ja, total. Aber beim Kinky Twin sprechen wir eben über ein echtes Performance Twin. Mich überrascht immer wieder, wie weit man das Board pushen kann. In Frankreich komme ich damit auch bei sechs Fuß noch super zurecht… solange die Wellen nicht zu hohl und zu schnell werden. Natürlich hat auch so ein Board Grenzen. Aber selbst bei ordentlichen Wally-Sets hält das Kinky Twin erstaunlich gut. Man muss allerdings wissen, wie man ein Twin surfed. Gerade bei viel Speed musst du die Kante wirklich sauber ins Wasser bringen.

Barney: Welche Surfer verstehen das Board sofort?

Quirin: Eigentlich alle, die offen dafür sind, etwas anders zu surfen. Viele Leute fahren klassische Performance-Shortboards, die überhaupt nicht zu ihrem eigentlichen Stil passen.

Ein Twin ist nicht automatisch einfacher. Es ist sogar eher anspruchsvoller, weil das Board rutschiger ist und Rail-Control wichtiger wird. Aber genau dadurch lernt man bessere Linien zu surfen. Wenn jemand schon sicher auf einem Thruster unterwegs ist und ein gutes Gefühl fürs Rail hat, sollte er sowas unbedingt ausprobieren.

Barney: Verändert das Board auch deinen Surfstil?

Quirin: Definitiv. Man lernt “echte” Linien und ruhiger zu surfen. Auf einem Twin kannst du nicht einfach hektisch rumzappeln. Wenn du nicht sauber auf der Kante stehst, bekommst du direkt einen Spinout. Dadurch wird der ganze Stil automatisch flüssiger und kontrollierter. Man arbeitet mehr mit Flow und weniger mit Gewalt.

Barney: Was macht das Kinky Twin Design so vielseitig?

Quirin: Das eingezogene Tail ist extrem wichtig. Obwohl das Board relativ schnell und volumenstark ist, hält es dadurch auch in größeren Wellen noch erstaunlich gut. Gleichzeitig bleibt es loose genug, um auch in kleinen Wellen unglaublich viel Spaß zu machen. Genau daraus entsteht dieser riesige Einsatzbereich.

Barney: Und was ist der Moment, in dem jemand das Board wirklich versteht?

Quirin: Wenn das Board scheinbar mühelos über eine flache Section drübergleitet und trotzdem in den steileren Parts noch komplett kontrolliert bleibt. Vielleicht macht man damit keine ultra-vertikalen Turns. Aber darum geht es auch gar nicht. Der besondere Moment ist eher dieser lange Frontside-Roundhouse zurück ins Weißwasser - komplett über die Kante gesurft und mit vollem Flow durch die ganze Welle…