SURFBOARD CONSTRUCTION - MOS FEEL BETTER!
Mighty Otter shreddet seit 2013 am Münchner Eisbach und Breaks weltweit Boards. Wortwörtlich. Haltbarkeit und Fahrgefühl sind dabei immer 2 Seiten derselben Medaille - Fun Shapes Fun Waves … MOS feel better!
Barney: Warum macht ihr eigentlich so ein Thema aus der Bauweise eines Surfboards?
Grischti: Weil der Shape nur ein Teil davon ist, wie sich ein Board am Ende anfühlt. Du kannst einen richtig guten Shape nehmen und ihn so steif und schwer bauen, dass er sich wie eine Schaltafel vom Bau surft. Das wollen wir nicht. Für uns kommt deshalb zuerst das Feel. Danach überlegen wir, wie viel Haltbarkeit das Board für seinen Einsatz braucht und wie wir die reinbekommen, ohne den Charakter des Boards kaputtzumachen.
Feel Better! Das ist die Idee.
PU VS. EPS
Barney: Fangen wir ganz vorne an. PU oder EPS – was ist besser?
Grischti: Keins. Sie fühlen sich einfach unterschiedlich an. PU ist für mich die klassische Base, von der aus man alles weg denkt. Es hat einen angenehmen, natürlichen Flex, schluckt Unebenheiten im Waveface ziemlich gut und kann auch einfach mal fahren. Du musst nicht permanent Input geben. Ich nenne das gerne relaxed Drive. EPS ist leichter und deutlich reaktiver. Das Board will mehr in Bewegung sein. Pumpen, schnelle Transitions, hoch in die Lip – dafür ist das ziemlich geil. Dafür kann sich EPS auf einem unruhigen Face auch etwas nervöser anfühlen. Die Frage ist also weniger, was besser ist. Die Frage ist, wo du surfst und welches Gefühl du dort haben willst.
Um entspannt mit der Welle unterwegs zu sein, ist PU erste Wahl - wie Martin hier zeigt. Stubby Mid in Pavones in unserem “Mid” Glassing… einfach solide!
Barney: Wo würdest du persönlich PU surfen?
Grischti: In meinem Go-to Board :) … und am Eisbach… eigentlich überall, wo das Waveface nicht komplett sauber ist. Das können natürliche Rapids sein, Unit-Wellen oder einfach everyday Bedingungen im Meer. Wenn die Wellen richtig groß werden, finde ich PU ebenfalls gut. Da sind etwas mehr Gewicht und Dämpfung plötzlich keine Nachteile mehr. PU kann gut Unebenheiten absorbieren, ohne dass sich das Board bleiern und teigig anfühlt. Gleichzeitig bekommst du Drive und einen lebendigen Response, wenn du anfängst, es zu pushen.
Barney: Und wann EPS?
Grischti: Wenn die Welle richtig sauber und glatt läuft. Indoor City Waves, Pools oder mittelgroße Ocean Waves mit schönem Face. Da macht das geringe Gewicht richtig Spaß. Das Board reagiert sofort, kommt schnell von Rail zu Rail und gibt dir viel Rebound. PU kann cruisen und performen. EPS will eher performen. Das ist natürlich keine absolute Regel, beschreibt den Unterschied aber ziemlich gut.
Ron mit Bang Stick in Rapid EPS auf der Leinwelle - der Shape gibt ihm ultraleicht(en) Drive und Pop selbst bei wenig Rebound aus der Welle. Das Grafikdesign aufs Glassing ist von Ron selber!
MIGHTY OTTER PU CONSTRUCTIONS
Barney: Ist PU bei euch dann einfach immer gleich aufgebaut?
Grischti: Nein. Genau das wollen wir vermeiden. Unsere PU-Kerne kommen von Teccel. Wie wir sie glasen, hängt davon ab, was das Board machen soll.
Ein Shortboard bekommt ein leichtes 4-4 / 4 E-Glass-Layup. Das erhält viel vom natürlichen PU-Flex: relaxed Drive, aber trotzdem lebendiger Response. Bei längeren Boards steigen die Hebelkräfte. Deshalb bekommt ein Mid ein 6-4 / 4 E-Glass-Layup. Etwas weniger Flex, mehr Drive und mehr strukturelle Sicherheit. Ein Step-Up bekommt 6-4 / 6 E-Glass. In großen Wellen sind schließlich auch die Kräfte groß. Da brauche ich kein Board, das maximal flext. Ich will Substanz, Dämpfung und ein bisschen Gewicht. Der PU-Kern gibt mir weiterhin die Dämpfung, aber das stärkere Glassing reduziert den Flex und erhöht die Bruchfestigkeit. Deshalb bieten wir Step-Ups standardmäßig auch nur in PU an. EPS geht natürlich als Custom, wenn jemand das unbedingt möchte. Dann würde ich aber ordentlich Material reinbauen.
Alle unsere PU Boards können mit Grafik Designs bestellt werden. EPS Designwünsche können wir nachkommen, allerdings werden diese aufs fertige Glassing (Aussi Style) aufgebracht. Das gefällt nicht jedem. Deshalb bitte einfach anfragen.
Barney: Und was ist Signature PU?
Grischti: Signature PU ist für Boards, die wir zusammen mit sehr guten Surfern entwickeln. Bei denen ist das Schadensbild ein anderes. Die hauen das Board normalerweise nicht ständig gegen die Wand oder verlieren beim Ausstieg die Kontrolle darüber. Dafür stehen die Füße sehr lange und mit viel Druck an denselben Stellen. Dann bekommst du irgendwann richtig tiefe Footwells.
Deshalb ergänzen wir das leichte PU-Layup mit S-Glass. Das erhöht die Resistenz gegen Pressure Dings und Footwells, ohne dass wir das klassische PU-Feel groß verändern. Das ist eigentlich ein gutes Beispiel für unsere ganze Construction-Philosophie: Wir machen nicht einfach alles stärker. Wir schauen uns an, was mit dem Board tatsächlich passiert, und reagieren darauf.
MIGHTY OTTER EPS/EPOXY CONSTRUCTION
Barney: Was macht Eure EPS/EPOXY Boards besonders?
Grischti: Unsere EPS-Kerne sind High-Fusion-Kerne mit Stringer. Der Stringer kontrolliert die Basiswerte von Stabilität und Flex perfekt und man spart sich in der Folge die ein oder andere kostspielige Umweltsünde, die man nicht als externe Verstärkung aufbringen muss. Das EPS Material selbst ist sehr fein verschmolzen. Dadurch bekommst du eine glatte Oberfläche, die beim Laminieren nicht unnötig Harz aufsaugt. Das hilft uns dabei, die Boards wirklich leicht zu halten und auf die Müllmaschine Vaccum Bag verzichten zu können. Beim Glassing kombinieren wir E-Glass mit Biaxial-Glass.
Barney: Warum Biaxial?
Grischti: Weil die Fasern anders ausgerichtet sind als bei einem klassischen E-Glass-Gewebe. Dadurch verändert sich das Flexmuster. Ich mag an EPS die Direktheit, aber ich will nicht, dass sich das Board torsional komplett tot anfühlt. Wenn ein Board einfach nur steif ist, kann es sich nicht mehr richtig in die Form der Welle einpassen. Dann fehlt mir irgendwann Grip. Mit dem Biaxial-Aufbau bleibt das Board sehr direkt und reaktiv, kann aber sowohl über die Länge als auch torsional arbeiten. Für mich ergibt das einen natürlicheren Grip auf der Welle. Du bekommst also diese superleichte EPS-Performance, ohne dass das Board einfach nur steif wird.
Carbon Tapes werden sowohl bei PU als auch EPS/EPOXY Boards genutzt, um das Durchdrücken der Fin Plugs durch dünne Tail Designs zu verhindern. Dicke Shapes mit ausreichend Foam um die Plugs kommen ohne diese Verstärkungen aus.
MOS RAPID CONSTRUCTIONS
Barney: Warum braucht es dann überhaupt eigene Rapid Constructions?
Grischti: Weil Rapid-Surfing Boards ganz anders belastet und kaputtmacht als Surfen im Meer. Und dann ist Rapid auch nicht gleich Rapid. Ein Board am Eisbach bekommt andere Schläge ab als ein Board auf einer Indoor City Wave. Deshalb haben wir unsere Haltbarkeit darauf optimiert, wo und wie das Board zum Einsatz kommt.
Das Wichtigste ist das Fahrgefühl!
Wir könnten natürlich überall noch mehr Glas, Carbon und Verstärkungen draufpacken. Dann hält das vielleicht mehr aus, aber irgendwann surfst du halt eine Schaltafel vom Bau - das finde ich kacke.
Wir verstärken deshalb dort, wo die Belastung tatsächlich entsteht, und lassen Material dort weg, wo es nichts bringt. Das spart Gewicht und Material, ist sinnvoller für die Umweltbilanz und hält auch den Preis vernünftig.
Aber der wichtigste Grund bleibt: Das Board soll sich richtig gut surfen.
MOS RAPID PU
Barney: Was bedeutet das konkret beim Rapid PU?
Grischti: Rapid PU ist im Grunde unsere Antwort auf Spots wie den Eisbach. Das Wasser ist nicht immer komplett glatt und der natürliche Flex und die Dämpfung von PU funktionieren dort einfach richtig gut.
Das Problem (fürs Board) ist eher, was rund um die Welle passiert. Rails schlagen gegen Stein oder Holz. Gerade wenn man anfängt, bleiben Finnen irgendwo hängen und Plugs brechen aus. Und durch die hohe Nutzungsintensität entstehen Footwells.
Also schützen wir genau diese Sachen.
Rapid PU bekommt ein 4S-4E / 4E E+S-Glass-Layup, Innegra an den Rails und unseren Fin-PlugSaver.
Wir teste alles am Eisbach - und keiner so hart wie Nici Marusa… einfach mal zugesperrt den Laden. :)
Barney: Warum glast ihr Rapid PU eigentlich nicht mit Epoxy?
Grischti: Weil ich bei einem PU-Kern keinen ausreichenden Vorteil darin sehe. Epoxy Resin kann punktuelle Schläge sehr gut abfangen. Das Harzsystem ist etwas nachgiebiger, dadurch splittert die Oberfläche bei einem Impact weniger schnell und einzelne Dings können reduziert werden.
Das ist aber nur die eine Seite. Bei einem Surfboard hast du zusätzlich eine dauerhafte flächige Belastung durch deine Füße. Und genau da habe ich mit Epoxy auf PU über die Jahre keine guten Erfahrungen gemacht. Die nachgiebigere Oberfläche lässt sich unter konstantem Druck leichter verformen, der PU Kern hat eine andere Dichte als EPS. Dadurch können sich mit der Zeit tiefere Footwells bilden – also genau dort, wo du Session für Session stehst.
Dann hast du vielleicht weniger kleine Dings, dafür sieht das Board nach einem halben Jahr unter den Füßen schlecht aus. Im ungünstigen Fall entstehen tiefe Gruben, in deren Bereich Laminat und Kern sich voneinander lösen. Das ist für mich kein sinnvoller Trade-off. Vor allem nicht, weil eine Epoxy-Laminierung für den Surfer zusätzlich Geld kostet.
Deshalb lösen wir das beim Rapid PU anders. Wir bleiben bei Polyesterharz und erhöhen die Haltbarkeit dort, wo wir sie tatsächlich brauchen: S-Glass erhöht die Resistenz gegen Footwells, Innegra nimmt Schläge an den Rails auf und der PlugSaver schützt die Finnenplugs.
Barney: Was bringt das Innegra?
Grischti: Vor allem Impact Resistance an den Rails. Wenn du am Eisbach mit der Rail gegen Stein oder Holz schlägst, soll die Konstruktion diesen Schlag besser aufnehmen können. Der Punkt ist aber, dass wir nicht das ganze Board massiv aufbauen. Wir verstärken gezielt die Rails und versuchen dabei, möglichst viel vom PU-Flex zu erhalten.
Die zusätzliche S-Glass-Lage hilft gleichzeitig gegen Footwells. Das Board wird dadurch etwas direkter als unser normales PU, aber es bleibt für mich ganz klar ein PU-Board.
Barney: Für wen macht Rapid PU am meisten Sinn?
Grischti: Für Leute, die viel auf natürlichen oder halbnatürlichen Rapids surfen. Eisbach ist das offensichtlichste Beispiel, aber auch manche Unit-Wellen gehören für mich dazu. Und natürlich für Leute, bei denen öfter mal etwas kaputtgeht. Das betrifft Anfänger, aber definitiv nicht nur Anfänger. Ich gehöre da selbst auch dazu. Wenn du weißt, dass Rails und Plugs regelmäßig Kontakt bekommen, macht es einfach Sinn, genau diese Bereiche zu schützen.
MIGHTY OTTER RAPID EPS
Barney: Und Rapid EPS?
Grischti: Rapid EPS ist für mich High Performance auf einer richtig sauberen Welle. Indoor City Waves, künstliche Rapids mit perfektem Face – überall dort, wo du diese leichte, extrem reaktive EPS-Performance voll ausnutzen kannst. Da sehe ich weniger eingeschlagene Rails. Dafür können die Boards im Auslauf brutal belastet werden. Gerade dünne Boards, die angesaugt werden oder über einen Kicker oder ein Siebgitter laufen, müssen teilweise extremen Wasserdruck aushalten. Deshalb brauche ich dort eine andere Art von Haltbarkeit.
Barney: Wie baut ihr das?
Grischti: Die Base ist weiterhin unser High-Fusion EPS mit Stringer und Biaxial-Glass. Beim Rapid EPS kommt ein stärkeres S-Glass-Layup dazu. Damit bekommen wir ein extrem leichtes und reaktives Board, erhöhen aber gezielt die Bruchfestigkeit. Gerade wenn beispielsweise die Nose unter hohen Wasserdruck kommt, ist das genau die Art von Verstärkung, die ich dort haben will. Innegra an den Rails brauche ich bei diesem Einsatz meiner Meinung nach nicht. Das wäre zusätzliches Gewicht, zusätzliches Material und zusätzliche Kosten für ein Problem, das an diesen Spots viel weniger relevant ist.
Barney: Dafür aber den PlugSaver - den baut ihr bei beiden Rapid Constructions ein?
Grischti: Ja. Finnen irgendwo einzuhaken funktioniert leider auf ziemlich vielen stehenden Wellen hervorragend. Der FCS II Finplug sitzt bei uns deshalb in einem Bett aus HD-Foam. Bei einem Impact wird die Belastung über diesen Bereich verteilt, statt sich nur direkt am Plug zu konzentrieren. Das heißt nicht, dass nie wieder etwas kaputtgeht. Aber im Zweifel hast du einen Schaden, den du deutlich einfacher reparieren kannst.