Wie funktionieren Mid Lengths - und warum Sie für viele Surfer die bessere Wahl sind.

Grischti aka. Christian Bach macht und designed Mighty Otter Surfboards seit 2013. Hier steht er Euch Rede und Antwort zu Euren Fragen und was gerade so im Netz zum Thema Surfing abgefragt wird.

Barney: Was ist ein Mid-Length und wofür ist es gedacht?

Grischti: Ein Mid-Length ist dem Namen nach eine mittlere Länge zwischen Shortboard und Longboard. Das ist aber relativ zu sehen. Ich bin 6’2 groß und würde sagen, ein Mid-Length beginnt irgendwo bei 6’6–6’8 und hört bei rund 7’6 auf. Jemand der größer oder kleiner ist als ich, bezieht das einfach auf seine eigene Körpergröße und dann sprechen wir relativ gesehen vom selben. Das Besondere ist, dass Mids ein Volumen in Richtung Longboard haben, aber Rocker und Curves eher im Bereich eines Shortboards liegen. Das bedeutet: Sie kriegen sehr einfach Wellen und lassen sich trotzdem überraschend gut turnen, trotz der Länge. Deshalb eignen sie sich super für Intermediates oder Anfänger, die vom Softboard kommen, aber auch für richtig gute Surfer, weil es einfach extrem viel Spaß macht, ein langes Rail durchs Waveface gleiten zu lassen.

Barney: Für wen eignen sich Mid-Length Surfboards?

Grischti: Im Grunde für alle Typen von Surfern – inklusive Pros und sehr guten Surfern. Die Designs bringen viel mit: Man kommt leichter in die Welle, muss nicht so hart paddeln und lernt gleichzeitig, dass man beim Rauspaddeln nicht durch den Break hindurch, sondern um ihn herum paddelt. Man lernt also, das Line-up besser zu lesen. Das macht Mid-Lengths zu einem super Board für Einsteiger und Intermediates – insbesondere für Ü30- oder Ü40-Surfer. In diesem Altersbereich ist ein Mid-Length extrem komfortabel, weil man noch ein gutes Auge hat, aber oft nicht mehr die Paddelkondition eines Zwanzigjährigen. Mit einem Mid bekommt man viele Wellen, liest das Line-up, kontrolliert die Crowds und macht schnelle Fortschritte. Für sehr gute Surfer ist ein Mid-Length auch eine starke Experience. Da geht es oft darum, unterschiedliche Fin-Setups auszuprobieren und neue Linien auf einer Welle zu surfen. Mid-Lengths funktionieren zudem sehr gut in schwachen Wellen, in großen, sehr flachen Wellen oder generell in Conditions, die mit einem High-Performance-Shortboard wenig Spaß machen. Mid-Lengths sind also nicht per se Anfängerboards. Sie eignen sich nur sehr gut für Anfänger und Intermediates, sind aber genauso interessant für Pros.

Huevo Nuevo - Take it Easy For Starters

Mit dem Huevo Nuevo haben wir 2017 einen Dauerbrenner für Surfer aller Könnerstufen geschaffen. Es ist ein Egg, dass sich wie ein Shortboard surft bzw. ein Shortboard, dass sich wie ein Egg paddelt. Ideal für alle, die schnell viel auf einem Surfboard lernen und dabei easy Wellen catchen wollen.

Barney: Welche Wellen funktionieren am besten mit Mid-Lengths?

Grischti: Grundsätzlich funktionieren Mid-Lengths in vielen Wellentypen sehr gut – von schwachen bis zu eher kräftigen Wellen. Wo sie physikalisch limitiert sind, sind sehr kleine, sehr hohle Wellen oder Wellen, bei denen du nach dem Takeoff direkt in eine Barrel musst. Da ist einfach nicht genug Platz für ein längeres Rail. Wenn man imstande ist, solche Wellen wirklich zu surfen, weiß man aber auch, dass ein Mid-Length dort nicht ideal ist und nimmt ein anderes Board. Abseits davon gibt es wenig Limits. Dann wird es eher eine Style-Frage und die Frage, wie radikal man surfen möchte. In sehr kleinen Wellen mit kurzem Face setzt man auf einem Mid-Length keinen großen Turn oder Snap, weil das Brett schlicht nicht in die Pocket passt. Für solche Bedingungen habe ich bei uns zum Beispiel das Stubby Mid designed – ein Board, das vom Verhalten her Mid-Length-like ist, aber deutlich kürzer.

Stubby Mid - A small Mid? No Biggie!

… it is all a dream - viel Paddle Power und eine vergleichsweise kurze Outline für ein Board aus der Kategorie Mid Length, bringen Twin Feeling in eine große Range von Wellen und Break Types.

Barney: Welche Länge und wie viel Volumen sollte ein Mid-Length haben?

Grischti: Alles ist relativ, aber wenn man es greifbar machen muss: Bei der Länge sollte man mindestens 4 bis 6, eher 8 Inch über der eigenen Körpergröße gehen. Beim Volumen kann man grob mit etwa 0,45 Liter pro Kilogramm Körpergewicht als Minimum und etwa 0,6 Liter pro Kilogramm als Maximum rechnen. Ich wiege aktuell ungefähr 94 Kilo, mein Mid hat 42 Liter und das funktioniert sehr gut.

Barney: Wie entscheidest du, ob jemand eher am unteren oder oberen Volumenende sein sollte?

Grischti: Wenn bei mir jemand direkt ein Board bestellt und dazu zusätzliche Beratung will, dann nehme ich diese Volumenformel grundsätzlich her und dann schaue ich mir die Person noch mal an beziehungsweise frage, wie gut jemand surft und welche Wellen er damit surfen will. Und natürlich schaue ich mir dann auch das spezifische Modell an, das der Surfer haben will. Danach wird entschieden, wie groß das sein sollte. Und meistens trifft man es dann auch ganz ordentlich. Auf der Website passen unsere Tipps zur Größenauswahl entsprechend ins Bild. Man muss halt ehrlich zu sich selber sein, was Skills und Fitness angeht.

MONACO MID - Single Fin TPH Glider

Das Monaco Mid ist ein Mid Length für laue Sommertage bei Surftown oder am Atlantik mit dem flowy Feeling eines TPH Single Fins und dem Drive eines High Volume Gliders. Erste Sahne für Surfer aller Skills unter Altersklassen - am besten mit einer Spur-artigen Finne zwischen 7.5’’ und 9’’.

Barney: Funktioniert Volumen bei Mid-Lengths anders als bei Shortboards?

Grischti: Es geht immer um die Verteilung von dem Volumen und wie das im Brett liegt. Und dann kommt auch der Rocker ins Spiel. Natürlich ist ein Mid-Length meistens leichter zu paddeln, weil es typischerweise mehr Volumen hat als ein Shortboard. Aber ein Shortboard mit dem selben Volumen wäre einfach nur wie eine Boje, so rund und so voll und würde dann überhaupt nicht mehr funktionieren. Deswegen sind solche Fragen eigentlich ziemlich unsinnig. Der Boardtyp ist meiner Ansicht nach wichtiger für den Surfer, als das Volumen eines Boards.

Barney: Welche Finnen-Setups funktionieren bei Mid-Lengths am besten?

Grischti: Die Finnen-Setups sind funktional wie bei allen anderen Boardtypen auch zu bewerten. Ein Single-Fin setzt das Board auf der Mitte des Boards fest und macht es sehr stabil beim Glide. Ein Twin gibt maximale Freiheit und Halt auf dem Rail und ein Thruster ist das Beste aus beiden Welten und bringt ein bisschen mehr Kontrolle unter den hinteren Fuß als beim Twin, aber auch schnellere Bewegungen als das Single-Fin. Dann kommt das Quad noch mal als Variante des Twinny rein. Das wird dann einfach sehr drivey und hat halt die Angewohnheit, irgendwo im Turn auszubrechen und durchzurutschen, wenn man das Rail verliert und einem die zentrierte Center-Finne fehlt.

GT2 - Ein Mid Twin für'n Sommer!

Das GT2 macht aus sanften Sommerwellen Racetracks, zeigt in kleinen bis mittelgroßen Transitions richtig sportliche Top Turns und Roundhouses und bringt einen dabei ganz easy durchs Line Up und in die Welle.

Barney: Welches Setup empfiehlst du welchem Surfer?

Grischti: Da frage ich, was der Surfer haben will. Wenn es jetzt Anfänger sind oder Intermediates beziehungsweise Leute, die gerade vom Foamy kommen, dann würde ich immer sagen: nimm das 1+2 (Single plus Sidebites) oder den Thruster, weil das einfach die meiste Kontrolle anbietet. Und alles andere, da vertraue ich dann auch, dass die Leute, die sich bei uns melden, selber schon ungefähr wissen, wo es hingehen soll. Ich persönlich bin zurzeit großer Fan von Twins. Da kriegst Du den Drive aus der Länge des Bretts, dem Rocker und aus dem vielen Volumen, das es hat. Und dann bist du halt sehr loose auf dem Rail und kannst trotzdem noch relativ tight turnen und das erlauben halt die Twin Fins. Ich habe aber auch immer noch ein 1+2, was ich zu besonderen Spots mitnehme, wo es eher hohl und schwer wird und wo man an einer großen Wall vorbei ballert und gegebenenfalls einfach auch mal irgendwo wissen will, dass das Brett auf der Mitte vom Face hält, wenn man versucht, irgendwie in Richtung Pocket zu denken.

Barney: Mid-Length oder Shortboard – was ist besser für Progression?

Grischti: Wenn du – jetzt sprechen wir in Klischees – ein super fitter Sportstudent bist, der wahnsinnig viel Zeit hat, dann kannst du das Shortboard nehmen. Und für alle anderen ist es das Mid-Length.

Barney: Was unterscheidet ein Mid-Length von Funboards oder Mini-Malibus?

Grischti: Bei uns ist aber prinzipiell jedes Brett ein Funboard, weil du mit jedem Brett Spaß haben sollst. Deswegen finde ich den Namen ziemlich quatschig. Und dann hattest du noch gefragt wegen dem Mini-Malibu. Also das Mini-Malibu ist für mich auch ein Mid-Length mit einem bestimmten Look. Das hat einen sehr vollen, runden Plane-shape, der sehr Longboard-like ausschaut aber ist kürzer. Also ich würde auch sagen, irgendwo dann so 7’0 bis 8’4 vielleicht, also irgendwo im Bereich großes Mid-Length. Und der wurde halt in den 90er Jahren und in den 2000er Jahren als Anfängerbrett zu Tode vermarktet und hat dann so ein bisschen auch seinen Sexappeal verloren, weil zeitgleich High-Performance-Shortboarding auf Potato-Chips der heiße Scheiß war. Deswegen ist dieses Mini-Malibu als Klassifizierung abgeschossen worden, ist aber letztendlich für mich auch ein Mid-Length.

Barney: Kann man mit einem Mid-Length mehr Wellen surfen und schneller besser werden?

Grischti: Wenn man generell ein Talent hat fürs Surfen oder sportlich ist oder einfach Bock hat, das zu lernen und nicht zu hohe Erwartungshaltungen hat, kann man damit schnell besser werden. Es liegt natürlich auch immer am Surfer. Aber was man auf jeden Fall tut, ist den Wave Count zu erhöhen. Also da kann ich die Garantie für geben und man bewegt sich auch einfach sicherer im Wasser, wenn man nicht permanent so fertig ist, sondern einfach anfängt, beim Paddeln Speed zu machen.

Barney: Welche Design-Merkmale machen bei Mid-Lengths den größten Unterschied?

Grischti: Ich persönlich habe eine Vorstellung davon, wie ein gutes Mid funktioniert und was es tun soll. Mir ist zum Beispiel wichtig, nicht einfach diese… – also ich möchte kein Mid designen, was einfach ein Retro-Design darstellt, mit einem Rocker, der in den 70er Jahren für einen Single-Fin entworfen wurde, wo man heute aber viel weiter ist. Ich denke, da kann ein bisschen mehr Curve rein, als das, was man oft sieht. Und da darf ein bisschen mehr Whip aus dem Brett heraus passieren, gerade wenn man jetzt das Board als Twin-Fin hat. Ich habe aber auch keinen Bock, ein steifes 1+2 zu surfen.

Ich denke, wie immer ist der Rocker das Wichtigste, aber das ist auch bei Shortboards, bei Hybrids, bei den eben genannten Funboards, bei den Longboards und so weiter und so fort so. Nur halt immer in spezifischen Adaptionen und Aspekten. Deswegen, das kann man so nicht verallgemeinern. Es ist nicht so, dass ein Mid einfach was ist, was man hinrotzt, sondern da muss man sich schon mit auseinandersetzen und gucken, dass es mehr ist als einfach nur ein hochvolumiges Teil.

Barney: Sind Mid-Length Boards auch für landlocked Surfer sinnvoll?

Grischti: Also ich stelle im Umgang mit unseren Surfern und Freunden fest, dass die alle total begeistert sind, wenn sie sich einmal auf ein Mid eingelassen haben und dass die genau das sagen: „Hey, ich wohne nicht am Meer, ich habe nicht so viel Zeit, ich mache Fehler sowohl beim Rauspaddeln als auch beim Absurfen einer Welle und ich will vor allem viele Wellen kriegen.“ Und da ist ein Mid immer ein bisschen toleranter als ein Shortboard. Und deswegen funktionieren die Boards super. Ich glaube nicht per se für alle Rapid-Surfer, aber für viele. Auch für Snowboarder oder auch Skateboarder, die es gewohnt sind, Bretter einfach aus der Mitte heraus laufen zu lassen, sind das die absoluten Top-Dinger. Kommt gerne alle zu uns und fragt genauer nach, was ihr wissen wollt.

ENDE