Wie funktionieren Mid Lengths - und warum Sie für viele Surfer die bessere Wahl sind.

Christian Bach aka. Grischti designed Mighty Otter Surfboards seit 2013. Hier steht er Euch Rede und Antwort zu Euren Fragen und was gerade so im Netz zum Thema Surfing abgefragt wird.

Barney: Was ist ein Mid-Length und wofür ist es gedacht?

Grischti: Ein Mid-Length ist dem Namen nach ein Board mittlerer Länge zwischen Shortboard und Longboard. Das ist aber relativ zu sehen. Das Besondere ist, dass Mids ein Volumen in Richtung Longboard haben, aber Rocker und Curves eher im Bereich eines Shortboards liegen. Das bedeutet: Sie kriegen sehr einfach Wellen und lassen sich trotzdem überraschend gut turnen, trotz der Länge. Deshalb eignen sie sich super für Intermediates oder Anfänger, die vom Softboard kommen, aber auch für richtig gute Surfer, weil es einfach extrem viel Spaß macht, ein langes Rail durchs Waveface gleiten zu lassen.

Huevo Nuevo - Take it Easy For Starters
ab 790,00 €

Mit dem Huevo Nuevo haben wir 2017 einen Dauerbrenner für Surfer aller Könnerstufen geschaffen. Es ist ein Egg, dass sich wie ein Shortboard surft bzw. ein Shortboard, dass sich wie ein Egg paddelt. Ideal für alle, die schnell viel auf einem Surfboard lernen und dabei easy Wellen catchen wollen.

Barney: Für wen eignen sich Mid-Length Surfboards?

Grischti: Im Grunde für alle Typen von Surfern – inklusive Pros und sehr guten Surfern. Die Designs bringen viel mit: Man kommt leichter in die Welle, muss nicht so hart paddeln und lernt gleichzeitig, dass man beim Rauspaddeln nicht durch den Break hindurch, sondern um ihn herum paddelt. Man lernt also, das Line-up besser zu lesen. Das macht Mid-Lengths zu einem super Board für Einsteiger und Intermediates – insbesondere für Ü30- oder Ü40-Surfer. In diesem Altersbereich ist ein Mid-Length extrem komfortabel, weil man noch ein gutes Auge hat, aber oft nicht mehr die Paddelkondition eines Zwanzigjährigen. Mit einem Mid bekommt man viele Wellen, liest das Line-up, kontrolliert die Crowds und macht schnelle Fortschritte. Für sehr gute Surfer ist ein Mid-Length auch eine starke Experience. Da geht es oft darum, unterschiedliche Fin-Setups auszuprobieren und neue Linien auf einer Welle zu surfen. Mid-Lengths funktionieren zudem sehr gut in schwachen Wellen, in großen, sehr flachen Wellen oder generell in Conditions, die mit einem High-Performance-Shortboard wenig Spaß machen. Mid-Lengths sind also nicht per se Anfängerboards. Sie eignen sich nur sehr gut für Anfänger und Intermediates, sind aber genauso interessant für Pros.

Fun Shapes Fun Waves - kann man Quirin aus dem Gesicht ablesen. Er surft hier das Huevo Nuevo.

Barney: Welche Wellen funktionieren am besten mit Mid-Lengths?

Grischti: Grundsätzlich funktionieren Mid-Lengths in vielen Wellentypen sehr gut – von schwachen bis zu eher kräftigen Wellen. Wo sie physikalisch limitiert sind, sind sehr kleine, sehr hohle Wellen oder Wellen, bei denen du nach dem Takeoff direkt in eine Barrel musst. Da ist einfach nicht genug Platz für ein längeres Rail. Wenn man imstande ist, solche Wellen wirklich zu surfen, weiß man aber auch, dass ein Mid-Length dort nicht ideal ist und nimmt ein anderes Board. Abseits davon gibt es wenig Limits. Dann wird es eher eine Style-Frage und die Frage, wie radikal man surfen möchte. In sehr kleinen Wellen mit kurzem Face setzt man auf einem Mid-Length keinen großen Turn oder Snap, weil das Brett schlicht nicht in die Pocket passt. Für solche Bedingungen habe ich bei uns zum Beispiel das Stubby Mid designed – ein Board, das vom Verhalten her Mid-Length-like ist, aber deutlich kürzer.

Mit einem agilen Mid-Twin macht man sich als erfahrener Boardsportler mit Bock am “Surfen Lernen” das Leben oft leichter, als mit einem Standard-Shortboard.

Stubby Mid - A small Mid? No Biggie!
ab 820,00 €

… it is all a dream - viel Paddle Power und eine vergleichsweise kurze Outline für ein Board aus der Kategorie Mid Length, bringen Twin Feeling in eine große Range von Wellen und Break Types.

Barney: Welche Länge und wie viel Volumen sollte ein Mid-Length haben?

Grischti: Alles ist relativ, Ich bin 6’2 groß und würde sagen, ein Mid-Length beginnt irgendwo bei 6’6 – 6’8 und hört bei rund 8’0 auf. Jemand der größer oder kleiner ist als ich, bezieht dieses relative Sizing einfach auf seine eigene Körpergröße und dann sprechen wir vom selben. Bei der Länge sollte man also 4 bis 6, eher 8 Inch über der eigenen Körpergröße gehen. Beim Volumen kann man grob mit etwa 0,45 Liter pro Kilogramm Körpergewicht als Minimum und etwa 0,6 Liter pro Kilogramm als Maximum rechnen. Ich wiege aktuell ungefähr 94 Kilo, mein Mid hat 42 Liter und das funktioniert sehr gut. Wir haben aber auch einen Volume Calculator, der dabei helfen kann.

Barney: Wie entscheidest du, ob jemand eher am unteren oder oberen Volumenende sein sollte?

Grischti: Wenn bei mir jemand direkt ein Board bestellt und dazu zusätzliche Beratung will, dann arbeite ich diese Volumenformel grundsätzlich her und dann schaue ich mir die Person noch mal an beziehungsweise frage, wie gut jemand surft und welche Wellen er damit surfen will. Und natürlich schaue ich mir dann auch das spezifische Modell an, das der Surfer haben will. Danach wird entschieden, wie groß das sein sollte. Und meistens trifft man es dann auch ganz ordentlich. Auf der Website passen unsere Tipps zur Größenauswahl entsprechend ins Bild. Man muss halt ehrlich zu sich selber sein, was Skills und Fitness angeht.

Manche Surftage “gibt es” eigentlich erst, wenn man ein Mid dabei hat.

MONACO MID - Single Fin TPH Glider
ab 1.060,00 €

Das Monaco Mid ist ein Mid Length für laue Sommertage bei Surftown oder am Atlantik mit dem flowy Feeling eines TPH Single Fins und dem Drive eines High Volume Gliders. Erste Sahne für Surfer aller Skills unter Altersklassen - am besten mit einer Spur-artigen Finne zwischen 7.5’’ und 9’’.

Barney: Funktioniert Volumen bei Mid-Lengths anders als bei Shortboards?

Grischti: Nein. Es geht immer um die Verteilung von dem Volumen und wie das im Brett liegt. Und dann kommt auch der Rocker ins Spiel. Natürlich ist ein Mid-Length meistens leichter zu paddeln, weil es typischerweise mehr Volumen hat als ein Shortboard. Aber ein Shortboard mit dem selben Volumen wäre einfach nur wie eine Boje, so rund und so voll und würde dann überhaupt nicht mehr funktionieren.

Barney: Welche Finnen-Setups funktionieren bei Mid-Lengths am besten?

Grischti: Die Finnen-Setups sind funktional wie bei allen anderen Boardtypen auch zu bewerten. Ein Single-Fin setzt das Board auf der Mitte des Boards fest und macht es sehr stabil beim Glide. Ein Twin gibt maximale Freiheit und Halt auf dem Rail und ein Thruster ist das Beste aus beiden Welten und bringt ein bisschen mehr Kontrolle unter den hinteren Fuß als beim Twin, aber auch schnellere Bewegungen als das Single-Fin. Dann kommt das Quad noch mal als Variante des Twinny rein. Das wird dann einfach sehr drivey und hat halt die Angewohnheit, irgendwo im Turn auszubrechen und durchzurutschen, wenn man das Rail verliert und einem die zentrierte Center-Finne fehlt.

GT2 - Ein Mid Twin für'n Sommer!
ab 820,00 €

Das GT2 macht aus sanften Sommerwellen Racetracks, zeigt in kleinen bis mittelgroßen Transitions richtig sportliche Top Turns und Roundhouses und bringt einen dabei ganz easy durchs Line Up und in die Welle.

Barney: Welches Setup empfiehlst du welchem Surfer?

Grischti: Da frage ich, was der Surfer haben will. Wenn es jetzt Anfänger sind oder Intermediates beziehungsweise Leute, die gerade vom Foamy kommen, dann würde ich immer sagen: nimm den Thruster, weil das einfach die meiste Kontrolle anbietet. Das 1 plus 2 wenn Du Surfen wirklich old-school lernen willst und das Twinny, wenn Du maximale Agilität bei viel Volumen willst. Ich persönlich bin zurzeit großer Fan von Mid-Twins. Da kriegst Du den Drive aus der Länge des Bretts, dem Rocker und aus dem vielen Volumen, das es hat. Und dann bist du halt sehr loose auf dem Rail und kannst trotzdem noch relativ tight turnen und das erlauben halt die Twin Fins. Ich habe aber auch immer noch ein 1+2, was ich zu besonderen Spots mitnehme, wo es eher hohl und schwer wird und wo man an einer großen Wall vorbei ballert und gegebenenfalls einfach auch mal irgendwo wissen will, dass das Brett auf der Mitte vom Face hält, wenn man versucht, irgendwie in Richtung Pocket zu denken.

Barney: Mid-Length oder Shortboard – was ist besser für Progression?

Grischti: Wenn du – jetzt sprechen wir in Klischees – ein super fitter Sportstudent bist, der wahnsinnig viel Zeit hat, dann kannst du das Shortboard nehmen. Und für alle anderen ist es das Mid-Length. Wenn man generell ein Talent hat fürs Surfen oder sportlich ist oder einfach Bock hat, das zu lernen und nicht zu hohe Erwartungshaltungen hat, kann man mit einem Mid schnell besser werden. Es liegt natürlich auch immer am Surfer. Aber was man auf jeden Fall tut, ist den Wave Count zu erhöhen. Also da kann ich die Garantie für geben und man bewegt sich auch einfach sicherer im Wasser, wenn man nicht permanent so fertig ist, sondern einfach anfängt, beim Paddeln Speed zu machen.

Barney: Was unterscheidet ein Mid-Length von Funboards oder Mini-Malibus?

Grischti: Naja, also Spaß machen die alle! Mit Funboard werden oft eher hochvolumige, nicht zwingend für Comps designte Boards bezeichnet. Das können also auch Mids sein. Und dann hattest du noch gefragt wegen dem Mini-Malibu. Also das Mini-Malibu ist für mich auch ein Mid-Length mit einem bestimmten Look. Das hat einen sehr vollen, runden Plane-shape, der sehr Longboard-like ausschaut aber ist kürzer. Also ich würde auch sagen, irgendwo dann so 7’0 bis 8’4 vielleicht, also irgendwo im Bereich großes Mid-Length. Und der wurde halt in den 90er Jahren und in den 2000er Jahren als Anfängerbrett zu Tode vermarktet und hat dann so ein bisschen auch seinen Sexappeal verloren, weil zeitgleich High-Performance-Shortboarding auf Potato-Chips der heiße Scheiß war. Deswegen ist dieses Mini-Malibu als Klassifizierung abgeschossen worden, ist aber letztendlich für mich auch ein Mid-Length.

Barney: Was ist mit großen Wellen?

Grischti: Das geht schon! Es braucht natürlich dann - wie bei allen Boards - Adaptionen im Design, die das Brett den Gegenheiten anpassen und die Bruchfestigkeit erhöhen. Dh. pinnigere Tails, mehr Curve in Bottom und Rail Contours bei Anpassung von Rocker und Flip, Verlust von Breite relativ zur Länge, 6OZ Glassing… irgendwann ist man dann bei einer Gun und dann hat mans vielleicht ad absurdum getrieben. Ich finde die perfekte Mid-Length Wave Range liegt zwischen 2 und 8 Fuß und die Wellen haben eher eine Pocket mit Schulter, anstatt super ledgy zu sein. Aber gehen tut das auch - Sommertags in Frankreich wie Sommertags in Indo.

Barney: Welche Design-Merkmale machen bei Mid-Lengths den größten Unterschied?

Grischti: Mir ist wichtig, nicht einfach diese… – also ich möchte kein Mid designen, was einfach ein Retro-Design darstellt und einen Rocker kopiert, der in den 70er Jahren für einen Single-Fin entworfen wurde, obwohl man heute aber viel weiter ist. Die Kombination von Foil und Rocker machts. Ich denke, da kann ein bisschen mehr Curve rein, bei vielem was man oft so sieht. Und da darf ein bisschen mehr Whip aus dem Brett heraus passieren, gerade wenn man jetzt das Board als Twin-Fin surfst… wobei, ich habe aber auch keinen Bock, ein steifes 1+2 zu surfen.

Ich denke, wie immer ist der Rocker das Wichtigste, aber das ist auch bei Shortboards, bei Hybrids, bei den eben genannten Funboards, bei den Longboards und so weiter und so fort so. Nur halt immer in spezifischen Adaptionen und Aspekten. Deswegen, das kann man so nicht verallgemeinern. Es ist nicht so, dass ein Mid einfach was ist, was man hinrotzt, sondern da muss man sich schon mit auseinandersetzen und gucken, dass es mehr ist als einfach nur ein hochvolumiges Teil.

Boardgröße ist relativ zum Surfer. Und natürlich haben wir auch Mids für größere und kraftvolle Wellen und zum Traveln.

PIN GT2 - Ein Mid Twin für kraftvolle Wellen
ab 820,00 €

Das GT2 PIN ist unser Performance-Midlength Twin für druckvolle Wellen. Es liefert maximalen Drive, Hold und lange Carves auf Werkseinstellung standardmäßig. Dieses Step-Up Mid ist ideal für Indo-Trips, große Sommertage mit Punch - und Surfer, die Ihr Railgame auf einem Mid voll durchspielen wollen.

Barney: Sind Mid-Length Boards für landlocked Surfer eine gute Wahl?

Grischti: Voll! Ich stelle im Umgang mit unseren Surfern und Freunden fest, dass die alle total begeistert sind, wenn sie sich einmal auf ein Mid eingelassen haben und dass die genau das sagen: „Hey, ich wohne nicht am Meer, ich habe nicht so viel Zeit, ich mache Fehler sowohl beim Rauspaddeln als auch beim Absurfen einer Welle und ich will vor allem viele Wellen kriegen.“ Und da ist ein Mid immer ein bisschen toleranter als ein Shortboard. Und deswegen funktionieren die Boards super. Ich glaube nicht per se für alle Rapid-Surfer, aber für viele. Auch für Snowboarder oder auch Skateboarder, die es gewohnt sind, Bretter einfach aus der Mitte heraus laufen zu lassen, sind das die absoluten Top-Dinger. Kommt gerne alle zu uns und fragt genauer nach, was ihr wissen wollt.

Barney: Okay, Merci Mausi!