Wir sind die Otter People.

Der Eisbach ist eine der Keimzellen deutschen Surfens. Als Riversurf-Mekka von außen oft belächelt, von den Münchnern aber als Refugium und kreative Spielwiese geliebt. Ein Spiegelbild der internationalen Surfszene im klaren Süßwasser der Isar. Heroes, Localism, Grommets, Crews, Freundschaften und Facebook-Fehden und eben auch Surfbrands – alles mit eigenem Flair versehen. Ein bisschen so wie am Meer nur ein bisschen eingedeutscht, letztendlich Heimat von Surfern die Surfen lieben.

Mighty Otter Surfboards ist aus diesem Hub entstanden. Zu Beginn ging es darum River Shapes zu bauen, die einen Surf-Stil wie am Meer ermöglichen. Als dazu ein erfahrenen Shaper aus Spanien kam, wurde der Quiver auf Boards fürs Meer erweitert und die Devise „Fun Shapes for Fun Waves“ ausgegeben. Inzwischen bieten Mighty Otter Surfboards eine Range von Modellen an, die alle ein Ziel haben: Spaß für professionell Surf-Amateure.

Wie der Otter aufs Surfboard kam und wer hinter dem neuen Label steckt, klären wir mit Gründer Christian Bach in diesem Interview.

Wie ist die Idee zu Mighty Otter entstanden?

Ziemlich emotional – mit der Bestellung eines River-Surfboards in Portugal, das nach einem Jahr in der falschen Größe kam. Dem Wutanfall folgte ein Anruf bei meinem Kumpel Cyril in der Schweiz, der schon shapte. Das war der erste Auftrag für ein River-Board. Cyril wollte wissen, was er als Namen draufschreiben sollte und Conny hatte Bock, dass Logo zu designen. Fertig ist der Surfbrand. 

Und warum dann Mighty Otter als Name?

Weil ich es witzig finde, dass der Vibe am Eisbach manchmal recht ernst wird, obwohl das ganze Ding der kleinste Surf-Teich der Welt ist. Da ist der Name Mighty Otter irgendwie passend. Das größte Tier, nur halt im kleinsten Teich – als Auftrag an uns, das Ganze doch bitte nicht zu ernst zu nehmen. Was ich auch in Bezug aufs Surfen im Allgemeinen wichtig finde. Gut surfen tut man, wenn man Spaß daran hat. Und Spaß hat man, wenn man über sich selber lachen kann – was beim Surfen bei mir dauernd der Fall ist.

Wer sind die Ober-Otter bei Mighty Otter?

Im Kern sind es Quirin Rohleder und ich. Quirin ist die Ordnung, ich bin das Chaos und Conny Maier ist unsere bessere Hälfte und Art-Direktrice. Hinzu kommt Alex, der seit rund zehn Jahren in Galizien Boards shapt und, seit Cyril vor zwei Jahren seine Werkstatt in der Schweiz aufgeben musste, den Shape-Hobel für uns schwingt. In Mighty Otter bringt jeder seinen Teil so, wie er es sieht, ein, dann passen wir das zusammen. Das Bild, das daraus entsteht, finden wir gut. Deshalb binden wir gerne unsere ganzen surfende Freunde mit ein. Design, Board-Entwicklung – da checken wir immer in unserem Umfeld, ob jemand eine Meinung oder Idee hat. Ich glaube, das ist auch das Wesentliche an Mighty Otter, dass wir nicht Leute sind, die miteinander arbeiten müssen, sondern wollen. Das finde ich mega am Surfen – schließlich haben wir uns als Crew und Freunde allesamt durch das Surfen kennen gelernt

Wie und wo ist bei euch das Interesse fürs Surfen entstanden?

Quirin ist ja quasi mit dem Surfbrett zur Welt gekommen, Conny und ich sind ganz normale deutsche Post-Abi-Surfanfänger, die dann Junkies geworden sind. Kennengelernt haben wir uns in den letzten 20 Jahren beim Surfen in Frankreich und Portugal.

Wofür steht Mighty Otter?

Die Idee, also das, wofür Mighty Otter jetzt steht, hat sich erst in den letzten zwei Jahren so klar greifen lassen: Wir machen Boards für Amateure wie uns, die beim Surfen einfach Spaß haben und so viele Wellen wie möglich surfen wollen. Wir haben die Freiheit, eben nicht nur Wettkampfgerät zu sein, sondern all das anbieten zu können, was Spaß macht: Fish, Twinny, Single-Fin, Groveler, Thruster, Egg, Mid Length, Logs... das sind alles geile Shapes, mit denen man eine unglaublich gute Zeit im Wasser haben kann. Welle oder stehende Welle – das ist erst mal wurscht. 

Das heißt, ihr legt auf Performance-Shapes im Angebot nicht so viel Wert?

Was ist schon ein Performance Shape? Der Denkfehler – finden wir – ist, dass man ein Performance-Shortboard bräuchte, um gut zu surfen. Dabei ist es doch so, dass ein Performance-Shortboard einen sehr, sehr guten Surfer braucht, um sein radikales Potenzial auszuschöpfen.

Das heißt Ihr seid da ehrlich mit Euch und Euren Kunden?

Genau. Wer über sich sagt, ein sehr, sehr guter Surfer zu sein, der sollte ein Performance-Shortboard kaufen. Wer so ehrlich ist, sich einzugestehen, dass da noch etwas Luft nach oben ist, der lernt beispielsweise auf einem Single-Fin mit gutem Plan-Shape und etwas mehr Volumen schneller radikale Carves als auf einem Performance-Shortboard, das keinen einzigen Trimmfehler verzeiht und konstant und sehr kraftaufwendig bewegt werden will. Und auch der sehr, sehr gute Surfer würde mit etwas mehr Schaum auch noch radikal surfen. Man bescheißt sich nur selbst, wenn man glaubt, über Comp-Boards von der Stange selber auf Comp-Niveau zu kommen. Man betrügt sich um die gute Zeit und die vielen Wellen, die man auf einem passenden Brett haben könnte.

Demnach fahren deiner Meinung nach viele Leute, auch gute Surfer, die falschen Boards?

Nö, nicht zwingend, aber ich denke mit alternativen Shapes kann sich jeder entwickeln. Ein Beispiel: Mit Lukas Brunner zusammen haben wir für den Eisbach ein Performance Shortboard gebaut, dass Lukas am Eisbach auch easy ans Limit fährt. Lukas ist auch im Meer ein talentierter Surfer und gerade in Indo unterwegs. Für den Trip haben wir Ihn überredet, unser „Bachelor“ (Single-Fin + 2) mitzunehmen, und es taugt ihm mega. Ich denke, Lukas hat am Ende auf dem Brett so viel über sich und sein Surfen gelernt, dass es ihn auf irgendeine Weise auch auf anderen Shapes weiterbringt. Man lernt einfach auf unterschiedlichen Boards unterschiedliche Sachen, die alle wichtig sind, vor allem aber Spaß machen.

 Was unterscheidet Mighty Otter von anderen Board-Labels?

Ich hoffe, nichts. Wir machen Boards für Leute, die Spaß am Surfen haben wollen. Und wir freuen uns, wenn das aufgeht. Die Boards sind handmade, daher können wir sie genau auf die individuellen Bedürfnisse und Fertigkeiten eines Surfers abstimmen. Das heißt wir können die Dicke des Boards und die Volumenverteilung im Rail, den Foil, auf Gewicht und Könnerstufe anpassen... Na gut, das unterscheidet uns dann doch von Hayden, Firewire, Slater und der Cobra-Posse aus Thailand.

 Findet man in eurer Range Boards, die es woanders so nicht gibt, und was ist das Besondere an euren Boards?

Die Boards – als Plan-Shapes betrachtet – sind eigentlich nichts Außergewöhnliches. Wer sich viele verschiedene Shape-Konzepte von den 60ern bis heute angeschaut hat, wird in unserem Quiver aus jeder Ära Ideen wiederfinden. Bei uns bekommt man die Shapes halt up-to-date.

Wir sind uns sicher, dass jeder Shape eine eigene Erfahrung ist. Und da die Tour für 99,99 Prozent von uns nicht passiert, wäre es doch dumm, auf unterdimensionierten Shortboards alles zu verpassen, wenn man alternativ so viele gute Erfahrungen auf ganz unterschiedlichen Shapes machen kann.

Gibt es Shaper, die euch bei der Entwicklung neuer Boards inspirieren?

Simmons, McTavish, Brewer, Lis, Anderson... das sind die Türöffner für verschiedene Design-Denkrichtungen auf Basis von Manövern, die sie surfen wollten. Seitdem ist eigentlich alles da und beschrieben. Planning, Rocker, Foil, Dimensions, Finnen-Set-ups – aus dem Zusammenspiel entstehen Styles. Dann sieht man jemanden richtig gut surfen, schaut sich das an und lässt sich inspirieren. Das sind aber kaum Pros, sondern hauptsächlich Freunde, Bekannte, zufällige Zusammentreffen an Breaks auf der ganzen Welt. Und dann halt Wellen und das, was sie unter der Voraussetzung eines bestimmten Shapes ermöglichen.

Wie lange experimentiert ihr schon mit Custom-Boards und den unterschiedlichen Outlines, Shapes und Board-Maßen?

Seit wir mit dem Surfen begonnen haben. Irgendwann surft man besser, wird in der Beschreibung von dem, was einem gefällt, präziser, kann Gutes besser von Schlechtem trennen und aus Ideen werden klare Konzepte. Trotzdem, die Idee vom Magic Board gibt es schon vom ersten Surf an. Die Vorstellung davon ändert sich nur. Und wenn man Glück hat, lernt man unterwegs Leute kennen, die einem dabei helfen, Surfboards besser zu verstehen. Am Anfang das Magic Board das Ding mit Außenborder, dann eines, „was besser duckdivt“. Wenn man diese Phase durchhat, will man ein Board, mit dem man viele Wellen bekommt. Irgendwann checkt man Rocker und Rails und so weiter. Wenn man dann noch Talent hat, kann man am Ende surfen. Oder auch nicht, das ist ja egal. Hauptsache, man hatte eine gute Zeit!

Wie lange dauert es von der ersten Idee für einen neuen Shape bis zum fertigen Board in der Otter-Range?

Etwa sechs Monate, je nachdem wie busy wir mit schon fertigen Boards oder anderen Bestellungen sind. Eine Custom-Order bekommen wir normalerweise in drei bis sechs Wochen durch – inklusive Lieferung. Dieser Sommer war allerdings Terror, weil wir so viele Bestellungen reinbekommen haben. Da mussten wir uns schon gelegentlich mal entschuldigen, wenn es länger gedauert hat. Die Produktionsabläufe smoother zu gestalten, das ist unsere Aufgabe für die nächsten Monate.

 Also läuft das Business schon ganz gut?

Ja eigentlich schon! Viele Boards gehen direkt an Leute, die wir kennen, und auch die Direkt-Order via Website nimmt stetig zu. Verkaufen könnten wir sicher mehr, aber wir haben bisher sehr zufriedene Kunden und surfen unsere eigenen Boards. Das ist ziemlich gut – also eigentlich der Wahnsinn! Ich meine, wir sind alle – Conny natürlich ausgenommen – so um die 40. Letztes Jahr mussten wir voll lachen, als wir im Auto irgendwo hingefahren sind und auf einmal der Satz gefallen ist: „Alter, wir haben ’ne Surf-Brand... geil!“ – wie Teenies. Das hält jung.

 Aber leben könnt ihr von der eigenen Surf-Brand noch nicht, oder?

Nee, Quirin ist Sports Agent und hat eine Produktionsfirma. Conny macht Atelier Conradi Illustrationen und Grafikdesign. Ich arbeite als Creative Director Text und Konzept freiberuflich von München aus. Alex ist Full-Time-Shaper in Galizien und unser Teamfahrer Lukas supported gerade die Liebe weltweit...

Dieser Text ist Teil des BLUE Yearbooks 2017.
Text: Andi Spies

Fun Shapes for Fun Waves!