The River Breaks: Surf in Wolfratshausen

Letztendlich kann die Antwort nur sein, „weil Riversurfen geil ist“. Schön wenn das neben durchschnittlichen Surf-Rats wie uns auch einige Idealisten so sehen und alles dafür geben, dass neben dem Eisbach und der Isar auch andere Flüsse gesurft werden können. Und zwar durch bauliche Maßnahmen, die viel Geld und dessen Beschaffung wiederum noch mehr Nerven kosten.

The River Breaks soll eine Serie von kurzen Interviews werden, in der wir Euch die grade im Aufbau befindlichen Wellen der Umgebung, vor allem aber die Leute die dahinterstehen vorstellen, und Sie von Ihren Erfahrungen berichten lassen. Vielleicht hilft das ja dabei, dass zukünftige Surf-Idealisten zu Realisten werden und schon im Vorfeld wissen, wie Sie am schnellsten zum Ziel kommen können.

Los gehts mit Steffi und Marcus Kastner. Die beiden Surfen seit 15 Jahren am Meer und am Eisbach. Seit Ihrem Umzug nach Wolfratshausen, sind die beiden nicht mehr so oft in München zum Surfen, wie sie das eigentlich gerne wären. Dafür haben Sie im Auslaufkanal des Wolfratshausener Kraftwerks eine ideale Stelle für eine künstlich eingebaute Flusswelle gefunden. Das war vor knapp 5 Jahren. Inzwischen arbeiten Sie mit einem Team von Freiwilligen sehr erfolgreich an der Umsetzung Ihres Projekts.


MO: Marcus, was für Leute braucht es, um das Projekt an der Weidach Mühle umzusetzen?  

MK: Meine Frau Steffi und ich haben ein Team mit 10 weiteren engagierten und begeisterten Sportlern gebildet, die alle aus der „Funsportecke“ kommen. Surfer, SUPler, Snowboarder, Skater, MTBer…

 Marcus und Steffi - for the team!

Marcus und Steffi - for the team!

Zum Team braucht es dann den richtigen Spot - Wie habt Ihr den gefunden? Nach welchen Kriterien ausgesucht?

Ich kenne die Stelle noch aus meiner Jugend (Ich bin in Wolfratshausen aufgewachsen). Es war früher eine ideale Stelle zum „ Isarbrettl“ fahren. Auch wenn heute durch diesen Kanal Wasser fließt, bildet sich schon eine kleine Welle und man kann das Potenzial dieser Stelle erkennen.

Welchen Standard hast Du vor Augen, wenn Du von Potenzial sprichst?

Wir wollen eine druckvolle, gut surfbare Welle erschaffen, die bei variierenden Wassermengen und -ständen immer eine gute Qualität hat. Bei der voraussichtlich verfügbaren Wassermenge und durch eine variabel einstellbare Konstruktion haben wir beste Chancen, dieses Ziel zu erreichen.

Wie groß ist der technische Aufwand, um diesen Spot zum Surfspot zu machen und was muss baulich vorgenommen werden?

Die großen Steine im Kanal müssen entfernt, die Seiten begradigt und der Boden betoniert werden. Es wird eine maßangefertigte Stahlkonstruktion mit Rampe und Kicker eingebaut werden, wobei beide Teile variabel eingestellt werden können. Das ist notwendig, um die Welle auf die variierenden Wassermengen und Unterwasserstände anzupassen und dadurch immer eine gut surfbare Welle erzeugen zu können.

Seid Ihr selber Techniker? Wer hat Euch bei den Berechnungen geholfen?

Wir haben keine technischen Kenntnisse, hatten aber das große Glück, Prof. Dr. Aufleger (Lehrstuhl für Wasserbau in Innsbruck) und Dr. Roland Hoepffner (Wasserbau-Ingenieur) beim ersten Flusswellenforum 2013 kennen zu lernen.
Beide haben dann die Machbarkeitsstudie erstellt, die unsere Stelle als ideal für den Bau einer Surfwelle bewertet hat.

Wen musstet Ihr davon überzeugen, dass es sich bei Eurer Idee um ein gutes Projekt handelt.

Wir haben unsere Idee im Mai 2013 zuerst bei der Stadt Wolfratshausen präsentiert, genauer gesagt bei Gisela Gleißl, Stabsstelle Tourismus, Wirtschaftsförderung und Citymanagement. Gisela war sofort begeistert von der Idee und konnte auch den Bürgermeister von dem Potential des Projekts überzeugen. Vom Ausschuss für Kultur, Jugend, Sport und Soziales wurde unsere Idee einstimmig als lohnenswertes Projekt eingestuft und alle Fraktionen des Stadtrats haben sich hinter unsere Idee gestellt und eine Co-Finanzierung zugesagt. Sehr viele Wolfratshauser Bürger/innen befürworten unsere Idee und über 1890 Likes auf unserer Facebookseite sprechen für sich.

Mit welchen Argumenten konntet Ihr Euch Gehör verschaffen?

Durch die Nähe zu München waren viele Wolfratshauser schon mal am Eisbach und haben den Surfern zugeschaut. Die Faszination und Attraktion einer solchen Sportstätte ist den Menschen hier klar; auch, dass dadurch Kaufkraft angezogen wird und Wolfratshausen mit der Welle ein Alleinstellungsmerkmal im Oberland hätte. Eine Sportstätte zu haben, die vor allem auch junge Menschen zum Verweilen in der Heimatstadt bringt, findet schnell Zustimmung. Ein Vorteil ist natürlich auch, dass Surfen ein sehr positives, junges und dynamisches Image hat und auch Nicht-Surfer sich für diese Idee begeistern lassen.

Wie hoch sind inzwischen die ermittelten Plankosten und wie werden diese finanziert?

Die Baukosten für die Welle werden in der Machbarkeitsstudie mit 320.000 € beziffert. Wir werden einen EU LEADER Antrag stellen, wo wir mit einer Förderung von bis zu 50% rechnen können. Wenn wir diese Förderung erhalten, wird die Stadt Wolfratshausen weitere 100.000 € bereitstellen. Die restlichen 60.000 € müssen wir als Initiative auftreiben. Hierfür werden wir vor allem Spenden sammeln und eine Crowdfunding Kampagne starten.

Musstet Ihr für die Umsetzung und um ernst genommen zu werden ein Verein gründen?

Der Verein befindet sich gerade in der Gründungsphase; kompliziert ist das nicht. Nur für die Beantragung der Gemeinnützigkeit muss man einige Zeit einplanen.

Wie weit ist das Projekt vorangeschritten und wann denkt Ihr, wird der erste Turn auf Eurer Welle gesurft?

Für einen erfolgreichen Antrag auf die EU Fördermittel muss die Finanzierung stehen. Deshalb gehen wir jetzt auf die Suche nach Spendern und planen eine Party im Juni. Auch das Crowdfunding müssen wir noch aufsetzen. Gespannt warten wir auch auf das Ergebnis eines juristischen Gutachtens zum Thema Haftung. Wenn wir alle kritischen Punkte bis zum Herbst lösen können und alles optimal läuft, könnte kommendes Jahr mit dem Bau begonnen werden.

Wer hat Euch bei der Umsetzung am meisten geholfen und zu welcher Partei gehört diese Person?

Die Unterstützung durch die Stadt, also Bürgermeister und Verwaltung, waren für den bisherigen Erfolg enorm wichtig - insbesondere bei den Verhandlungen mit dem privaten Kraftwerksbetreiber. Aber auch viele Freunde haben uns immer wieder mit ihrem Know-How unterstützt. Glücklicherweise wird unser Projekt inzwischen von allen Fraktionen im Stadtrat befürwortet, so dass wir hier politisch neutral agieren können. 


Wem möchtet Ihr besonders danken?

Ein großes Danke geht an den ehemaligen Bürgermeister Forster, Bürgermeister Heilinglechner, Gisela Gleißl, Prof. Dr. Aufleger, Dr. Roland Hoepffner und alle Fraktionen im Stadtrat.
Wir bedanken uns auch bei unserem Lieblingsfotografen Jens Schumann aka Jensschumannworkx, Susann Schröter von der Werbeagentur südakzente, Andrea & Andreas Kämmerer von sionyx, Heiko und Phil von PT Surfboards, an unser Vereingründungsteam und Alle die an unser Projekt glauben - besucht uns auf Facebook!

Vielen Dank an Euch zurück!

 Location: Weidach Mühle

Location: Weidach Mühle

Mehr Infos zum Projekt findest Du hier => Surfing Woflratshausen